Kinder Volksschule

Gastkommentar Nachmittagsbetreuung

Hort vs Nachmittagsbetreuunng

Ich bin Mutter zweier schulpflichtiger Kinder im Volksschulalter. Ein Kind besucht den Hort 1 in Deutsch-Wagram. Vor kurzem wurden wir über die Pläne zur Hortschließung und Eröffnung einer schulischen Nachmittagbetreuung mit Beginn des Schuljahres 2010/2011 konfrontiert. Ich bin nicht glücklich mit dieser Situation, gerade wenn ich die Bedürfnisse meines Kindes in meine Überlegungen einfließen lasse. Um für mich eine Entscheidungsgrundlage für oder gegen eine Betreuung im Hort bzw. in der Schule zu haben, habe ich mich entschieden, eine Liste der Vor- sowie der Nachteile der Betreuung im Hort sowie der geplanten schulischen Nachmittagsbetreuung zusammenzustellen. Ich bitte Sie, sich selbst ein möglichst objektives Bild zu machen und eine Entscheidung zugunsten der ureigensten Bedürfnisse der Kinder zu treffen:

Schulische Nachmittagsbetreuung

  1. Kosten für die Eltern: Staffelpreis, höchstens EUR 80,–/Monat (exkl. Essensbeitrag und Jause; geplant EUR 3,50/Tag und Kind) – um soziale Förderung kann angesucht werden.
  2. Öffnungszeiten/Betreuungszeiten: Nach Schulschluss (geplant ab 11:45 Uhr) bis 17:00 Uhr analog den Schultagen. Keine Betreuung an schulautonomen Tagen und in den Ferien.
  3. Essenssituation: Kinder müssen sich gestaffelt nach dem Unterricht umziehen um in ein Gasthaus in Deutsch-Wagram ihr Mittagessen einzunehmen, gemeinsam mit 1 Betreuungsperson pro Gruppe. Konzept insofern noch nicht vorhanden, als Frau Skopal, Direktorin der VS Deutsch-Wagram, weder einen genauen Ablauf, das Thema „Raucher“ (eine Gaststätte, die nicht gänzlich rauchfrei ist), noch ein „Versorger“ (Welcher Betrieb liefert das Essen? Kocht die Gaststätte? Nach welchen Grundsätzen wird gekocht?…) präsentierte.
  4. Betreuungsteam: Lernstunde mit dem Lehrkörper – viele verschiedene Pädagoginnen, wechseln je nach Tag, Woche,…; Freizeit-Teil: Verein „Hand in Hand“ – auch hier gibt es kein fixes Betreuungsteam. Außerdem müssen betreuende Personen des Vereins Hand in Hand nicht zwangsläufig Pädagogen sein, es kann sich auch um so genannte „Freizeitbetreuer/innen“ handeln.
  5. Kindergruppen: laut Betreuungskonzeptes des Landes NÖ in Zusammenarbeit mit dem Verein Hand in Hand betragen die Gruppengrößen zwischen 15 und 30 Kindern. Da Eltern Ihre Kinder auch nur für einzelne Betreuungstage anmelden können, kann sich keine konstante Gruppe samt gesunder sozialer Struktur bilden. Über sie Sozialstruktur sowie die gesunde soziale kindliche Entwicklung einer Gruppe ständig wechselnder Teilnehmer in dieser Altersgruppe kann nur gemutmaßt werden – Literatur dazu habe ich keine gefunden.
  6. Raumsituation: Die Volksschule Deutsch-Wagram hat jetzt schon zuwenig Platz für die hier geführten Klassen. Die Situation wird auch am Nachmittag nicht entschärft: es gibt keine klar abgegrenzten Räumlichkeiten, die die Kinder ihren Interessen und Begabungen entsprechend optimal nutzen zu können, ohne wieder im Schulalltag zu sein. Klassenräume können gut für die Lernstunden genutzt werden – für den  Freizeitbereich ist das bestehende Schulgebäude räumlich kaum bis gar nicht dafür eingerichtet.

Hortbetreuung

  1. Kosten für die Eltern: Staffelpreis, höchstens EUR 164,56/Monat (exkl. Essensbeitrag und Jause; geplant EUR 2,80/Tag und Kind) – um soziale Förderung kann angesucht werden.
  2. Öffnungszeiten/Betreuungszeiten: 10:30 – 17:30 Uhr an allen Schultagen, an den schulautonomen Tagen (7:30 – 17:00 Uhr) sowie insgesamt 6 Wochen in den Sommerferien (ebenfalls 7:30 – 17:00 Uhr).
  3. Essenssituation: Kinder kommen von der Schule in die Horträumlichkeiten (entweder innerhalb des Gebäudes oder mit dem Shuttle-Service der Gemeinde). Kinder decken gemeinsam die Tische, nehmen gemeinsam in entspannter, kommunikativer Atmosphäre ihre Mahlzeiten ein. Die Betreuungspersonen nehmen auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder Rücksicht (z.B. 1x/Woche eine Süßspeise, Mittagessen ohne Schweinefleisch, abwechslungsreiche und auch neue Speisen,…).
  4. Betreuungsteam: jede Hortgruppe wird von einer langjährig ausgebildeten Hortpädagogin geleitet und von einer Horthelferin unterstützt, die auf langjährige Erfahrung in der Kinderbetreuung zurückblickt. Das Betreuerteam arbeitet nach einem partnerschaftlich-demokratischen Erziehungsstil, der laut der österreichischen Erziehungsexpertin Martina Leibovici-Mühlberger der idealste für Kinder ist.
  5. Gruppensituation: Die nahezu konstante Gruppenkonstellation (25 Kinder, die regelmäßig – 5 Tage pro Woche – nach der Schule den Hort besuchen) ermöglicht eine gesunde Sozialstruktur in einer familiären Situation. Gewaltfreies und gleichberechtigtes Miteinander, insbesondere der Geschlechter untereinander, wird vom Betreuerteam vermittelt und von den Kindern gelernt. Die Kinder können sich nach ihren Interessen und Bedürfnissen in einer geschützten Atmosphäre in vertrauter Umgebung entwickeln und entfalten. In jeder Gruppe lernen die Kinder mit pädagogischer Anleitung über Gefühle zu sprechen, eigene Erfahrungen, Meinungen und Ansichten zu vertreten und diese mit seinen Mitkindern in Einklang zu bringen. So lernen unsere Kinder gemeinsam Freude und Traurigkeit zu erleben, Ideen und Vorhaben miteinander auszuhandeln und eigene Grenzen und die Grenzen anderer Kinder zu erkennen und zu entwickeln.
  6. Raumsituation: Entsprechend dem Konzept des Hortes sind alle Räume nach einer bestimmten Funktion ausgestattet. Die Kinder können sich nach ihren Interessen und Bedürfnissen entscheiden, mit wem sie sich in welchem Raum aufhalten möchten. Weiters ermöglicht das halboffene Konzept den Kindern im Bedarfsfall gute Rückzugsmöglichkeiten.

Es gäbe noch eine Reihe anderer Punkte, die hier unerwähnt geblieben sind. Allerdings können Sie sich auch jetzt schon ein gut abgerundetes Bild machen, das eine möglichst gute Entscheidung im Sinne Ihrer Kinder ermöglicht.

Gabriela Amann

  1. Bettina

    Liebe LeserInnen!

    Ich möchte hier auch einmal eine andere Sichtweise darstellen, weil ich schon das Gefühl habe, dass die Diskussion (auch in den lokalen Medien) sehr einseitig geführt wird.
    Meine Tochter geht in Wien in eine private Volksschule, weil ich genau das, wie in Deutsch Wagram der Hort organisiert ist, nicht wollte.
    Mich hat vor allem gestört, dass die Kinder alles zusammenpacken müssen und mit einem Bus wo anders hingeführt werden und die Hortgruppen nichts mit den Klassenverbänden zu tun haben.
    In der jetzigen Schule meiner Tochter arbeitet der Hort Hand in Hand mit der Schule. Die Kinder sind am Nachmittag – nach einer Stunde im Park – wieder in der Klasse. („Ich habe mein Schulübungsheft in der Klasse vergessen“ gibt es nicht – es bleibt alles in der Klasse und ist zur Hand.) Drei Viertel der Kinder bleiben am Nachmittag, dh die Klassengemeinschaft bleibt erhalten. Da ist es auch kein Problem, wenn Kinder nicht jeden Tag da sind. Auch Kinder, die nicht im Hort angemeldet ist, können problemlos Einzeltage buchen.
    Jede Klasse hat eine eigene Hortbetreuerin, die bei der Übergabe von der Klassenlehrerin genau erfährt was Hausübung ist und welcher Text für die Ansage geübt werden muss, etc.. Und die Kinder können selbstverständlich nach einer individuellen Musikunterrichtsstunde am Nachmittag wieder in den Hort zurückkommen. Der Speisesaal ist im Keller, wo die Kinder je nach Unterrichtsschluss, klassenweise gestaffelt, essen gehen (und auch den Tisch decken). Schulfreie Tage und Ferienhort findet natürlich auch in der Schule statt (allerdings in Sammelgruppen) und müssen extra bezahlt werden.
    Ich will den Eltern, die den jetzigen Hort in Deutsch Wagram in Anspruch nehmen nicht absprechen, dass sie zufrieden sind, aber ich will aufzeigen, dass es auch andere Lösungen geben kann, die sehr zufriedenstellend sein können.

    Nicht zuletzt erscheint es mir auch als eine Vergeudung von Ressourcen eine Infrastruktur (nämlich die Klassenräume) am Nachmittag leer stehen zu lassen und eine sehr ähnliche Infrastruktur (den Hort) am Vormittag leer stehen zu lassen (im Winter zu heizen, etc.) Das Geld dafür könnte in die Kinder anderswo besser investiert werden.

    Meine Präferenz wäre eindeutig die Nachmittagsbetreuung in der Schule möglichst im Klassenverband.

    Bettina Bergauer-Culver
    Deutsch Wagram

  2. Liebe Bettina!

    Ich stimme Dir vollkommen zu, dass es auch andere Möglichkeiten der Nachmittagsbetreuung gibt. Auch die in der Volksschule ist sicher eine Möglichkeit.

    Auf der anderen Seite weiß ich auch, dass es für Dich wichtig ist eine durchgehende Betreuung für die Kinder zu haben. Dies ist in Deutsch-Wagram nicht gesichert. Weder für Ferien noch für schulautonomfreie Tage gibt es momentan in dem „Konzept“ eine Lösung. Und dies jetzt, wo ich mich für Hort oder Nachmittagsbetreuung entscheiden soll. Ich kann es mir als berufstätige Frau nicht leisten, dass meine Kinder alle Ferien und auch zwischendurch immer wieder zu Hause betreut werden müssen.

    Was mich noch stört ist die Essensmöglichkeiten. In Gruppen mit 25 Kindern mit einer Betreuerin zur Pizzeria (Raucherlokal) und dann wieder zurück. Dies muss gestaffelt erfolgen usw. .

    Die BetreuerInnen sind nicht fix, wie in dem von Dir beschriebenen Modell sondern wechseln andauernd – Bezugspersonen weit gefehlt.

    Mein Sohn Felix ist erst seit ein paar Monaten im Hort und der Transport mit dem Bus ist überhaupt kein Problem. Danach nimmt er das Essen in den Räumlichkeiten des Hortes ein und wird immer von den gleichen Personen betreut. Dies gibt meinem Kind Sicherheit.

    Du kennst mich und weißt, dass ich immer für Einsparungen war – aber nicht zu Lasten von unseren Kindern. Und dies wäre meiner Meinung nach mit der von der VP vorgeschlagenen Nachmittagsbetreuung der Fall. Des weiteren wollten Quirgst und Schlederer dies entscheiden ohne mit uns BürgerInnen darüber zu diskutieren, Vor- und Nachteile aufzuzeigen und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.

    Dieses Thema ist kein Politikum. Hier geht es darum, dass Personen Entscheidungen treffen welche nicht mit den Konsequenzen (keine Kinderbetreuung in den Ferien) leben müssen.

    Liebe Grüße

    Claudia Lauppert

    Deutsch-Wagram

  3. Peter Lauppert

    Liebe Bettina,

    ich möchte aus meiner Sicht noch etwas ergänzen: Für mich ist vor allem wesentlich wie man an eine Sache herangeht. In meiner beruflichen Tätigkeit habe ich die Erfahrung gemacht, dass es vorteilhaft ist, sich zu Beginn eine Vorgangsweise zu überlegen. Das ist hier gröblichst verabsäumt worden. Andrea Schlederer gibt selbst zu hier getrieben zu sein. Wenn man allerdings getrieben wird, kann man schwer die Richtung bestimmen. Und das sehe ich hier als Kernproblem. Man kann eine Nachmittagsbetreuung gut machen und man sie schlecht machen und mit dem Hort und jeder anderen Sache ist es ebenso.

    Der Vorwurf den man weder Andrea Schlederer, noch Fritz Quirgst ersparen kann ist, daß sie im stillen Kämmerchen eine Entscheidung getroffen haben. In diese Entscheidung sind keinerlei Bedürfnisse der betroffenen Eltern eingeflossen. Das wesentlichste Bedürfnis aus meiner Sicht ist Sicherheit. Jedem Elternteil sind seine Kinder wichtig und die Politik ist aufgefordert dem Rechnung zu tragen. Nun wollten Schlederer und Quirgst den Hort, eine funktionierende Einrichtung der ich nicht absprechen will verbesserungsfähig zu sein, durch eine äußerst vage Konstruktion ablösen. Äußerst vage deshalb, weil einfach noch so viele Fragen unbeantwortet sind.

    Ich bin der festen Überzeugung, daß wenn man mit den Betroffenen spricht bessere Lösungen möglich sind. Und ich freue mich, daß dieser Prozeß nun in Gang gesetzt wurde.

    Inhaltlich teile ich viele der Punkte, die Du angeführt hast. Gerade in Zeiten in denen die finanziellen Ressourcen knapper werden sind wir aufgefordert uns zu überlegen wie wir unsere Aufgaben effizienter erledigen können. Gerade beim Thema Kinder ist es mir persönlich ein Anliegen, daß die Qualität nicht darunter leidet. Darüber hinaus muß ein politischer Meinungsbildungsprozeß stattfinden um festzulegen wieviel Geld wir für Kinder ausgeben wollen und wieviel Geld für Straßen etc. Doch genau um diese Diskussion wollten sich Schlederer und Quirgst herumdrücken. Ich habe beispielsweise von keinem der beiden eine Antwort auf meine wiederholte Frage erhalten, warum wir uns in Deutsch-Wagram die höchstmöglichen Gagen auszahlen müssen.

    Es freut mich, daß Du die Frage der Infrastruktur angesprochen hast. Denn ich meine das wäre ein wichtiges Thema, das man einmal sachlich diskutieren sollte. Schließlich sind wir im Begriffe gerade 20,4 Mio € für weitere Räume auszugeben. Ein Betrag zu dem es nach wie vor keine Idee gibt wie er aufgebracht werden soll. Ich will nicht sagen, daß das nicht möglich wäre, doch sehe ich bei den handelnden Personen wie zum Beispiel dem Finanzstadtrat Gerhard Horvath keine Anzeichen dafür, daß er diese Aufgabe bewältigen kann. Da fehlt es bereits an der Einstellung, denn in der Gemeinderatssitzung im Dezember hat er deutlich kundgetan, daß er von Finanzplanung wenig hält. Das wäre aber eine unabdingbare Voraussetzung.

    Was also die Räumlichkeiten anlangt wird oft argumentiert, daß es den Kindern nicht zumutbar wäre den ganzen Tag in derselben Klasse zu verbringen. Ohne auf diese Frage näher einzugehen, glaube ich, daß das nicht notwendig wäre, wenn wir uns trauen würden über andere Modelle nachzudenken. Wenn der Unterricht nicht in allen Klassen nur am Vormittag erfolgen würde, dann wäre es auf diese Weise möglich einerseits die Räume bestmöglich auszunützen und andererseits Freizeiträume zu schaffen, ohne zusätzliche Kosten zu verursachen.

    Doch all das ist nur möglich, wenn wir diese Angelegenheiten bereden und Lösungsvorschläge erarbeiten. Eine Entscheidung solle jedenfalls erst getroffen werden, wenn wir alle Gelegenheit gehabt haben die Vor- und Nachteile der Lösungsvorschläge durchzudenken.

    LG Peter.

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